Digitalisierung ist ein teambasierter Prozess

Wir sehen nicht nur in der Schule, sondern auch im Privat- und Berufsleben eine ständige Weiterentwicklung der Digitalisierung. Vorhandenes wird verbessert und erweitert, weniger Nützliches verschwindet, und mit neuen Technologien werden auch immer wieder neue Möglichkeiten geschaffen. Wir lernen somit ständig aus neuen Erfahrungen, finden manchmal auch neue Anwendungsmöglichkeiten für vorhandene Anwendungen und perfektionieren unseren Umgang mit neuen Angeboten. Hinzu kommt, dass die Zahl digitaler Angebote oft unüberschaubar groß ist. Wer kennt schon alle Chancen und Probleme, die uns die digitale Welt bietet, kann alle Potentiale auf den ersten Blick erkennen?

Vor diesem Hintergrund dürfen auch Schule, Schülerinnen und Eltern Digitalisierung nicht als einmalige Umstellung auf neue Methoden verstehen. Das klassische Verständnis, einmal Erlerntes und Erprobtes habe mehr oder weniger unverändert Gültigkeit bis ans Lebensende, wird im Hinblick auf Wissensvermittlung nicht mehr funktionieren. Gleichermaßen gilt auch nicht mehr, dass jede(r) einzelne Lehrer*in einen umfassenden Überblick über alle Lehrangebote hat oder haben könnte. Zu groß ist die Zahl von Möglichkeiten, und täglich kommen neue hinzu – prüft jede Lehrkraft einzeln, welche Potentiale darin stecken, reichen 24 Stunden eines Tages nicht mehr aus. Die sinnvollen Angebote zu finden, kann nur im Team gelingen.

Digitalisierung muss also als ständiger und teambasierter Prozess verstanden werden, was für das gesamte Schulwesen eine große Herausforderung darstellt. Es reicht nicht mehr, sich in größeren Intervallen Gedanken darüber zu machen, ob und was geändert werden sollte: diese Überlegungen müssen strukturiert und laufend stattfinden, die Ergebnisse dann zeitnah in den Unterricht integriert werden. Und auch das Teilen der Erkenntnisse im Kollegium und mit anderen Schulen ist dabei unverzichtbar.

Das bedingt eine grundsätzliche Umstellung auf Teamarbeit: an die Stelle einigermaßen autonomer Unterrichtsgestaltung müssen Austausch und Diskussion von Erkenntnissen, Ideen und neuer Ansätze in den Fachschaften (Gruppe der Lehrkräfte, die ein bestimmtes Fach unterrichten) als ständige Aufgabe treten. Dabei muss man keine Sorge haben, dass nun ständige Meetings erforderlich sind, denn Digitalisierung bietet ja auch neue Kommunikationsmöglichkeiten: So schaffen Video- und Telefonkonferenzen, Mail- oder andere Messenger-Systeme und Foren sowie nicht zuletzt Cloudspeicher eine breite Palette von Mitteln für Kommunikation und Austausch.

Wenn damit zusätzliche Aufgaben für Lehrkräfte verbunden sind, bedeutet das nicht zwangsläufig auch Mehrarbeit. Vorbereitete Lehrinhalte lassen sich in digitaler Form leicht austauschen, so dass die Unterrichtsvorbereitung zum Teil arbeitsteilig organisiert werden kann. Diese Potentiale werden nach meiner Beobachtung bislang nur selten genutzt: zahllose Lehrkräfte verbringen viel Zeit damit, exakt die gleichen Inhalte einer Unterrichtsstunde vorzubereiten wie ihre Fachkolleg*innen in der gleichen Jahrgangsstufe. Arbeitet man hier enger zusammen, gewinnt man Zeit für die Weiterentwicklung der digitalen Lehrmittel und vor allem auch, um sich stärker auf individuelle Bedürfnisse von Schüler*innen zu konzentrieren.

Sicherlich bedeutet all das eine große Veränderung für den Beruf von Lehrer*innen. Ich bin aber sicher, dass auch Skeptiker in den Schulen überzeugt werden können, wenn sie Vorteile auch für sich und ihre Lehr-Erfolge erreichen können. Schließlich ist Digitalisierung ja nicht erforderlich, weil es modern ist, sondern weil sich damit Vieles verbessern und erleichtern lässt. Auch solche Überzeugungsarbeit wird nicht in einem Schritt gelingen, sie erfordert – wie das Gesamtthema – ein schrittweises Vorgehen.

Veröffentlicht von diggitall

Hochschul-Gastdozent für "Sales & eCommerce" und Aviation-Themen Unternehmensberater

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